Was ist Zeit - Spektrum der Wissenschaft
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"Zeitnullpunkte und Zeitskalen sind allerdings vollkommen willkürlich und
beruhen nur auf praktischen Vereinbarungen. Doch die Zeit als
physikalisches Phänomen bleibt. Sie verstreicht, auch ohne dass eine Uhr
mitzählt. Wir können sie zwar messen, aber warum schreitet die Zeit
beständig, offenbar unaufhaltsam voran? Um dies zu verstehen, lohnt es
sich, sie als Dimension des Universums zu betrachten und mit den drei
Raumdimensionen zu vergleichen. Hierbei offenbaren sich recht auffällige
Unterschiede. Es gibt nur eine Zeitdimension, aber gleich drei
Raumdimensionen, nämlich Länge, Breite und Höhe. In den Raumdimensionen
können wir uns im Prinzip beliebig bewegen: vor und zurück, nach links
und rechts sowie nach oben und unten. Im Unterschied hierzu können wir
unsere Bewegungsrichtung bei der Zeit nicht beeinflussen. Noch
gravierender ist, dass die Zeit nur eine "Vorwärtsrichtung" erlaubt und
dass diese in die Zukunft weist. Insgesamt können wir also in allen drei
Raumdimensionen nach Belieben vor- und zurückreisen, aber keine
Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen."
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"Wenn wir uns dem Universum zuwenden, können wir viel über die Zeit
lernen. Zunächst müssen wir feststellen, dass schon der Blick in den
Spiegel eine Zeitreise in die Vergangenheit darstellt. Sie glauben das
nicht? Das geht so: Licht ist der Informationsträger, der uns von den
Gegenständen, die wir betrachten, erreicht und über die Augen in unser
Gehirn gelangt, wo wir das Gesehene verarbeiten. Licht ist jedoch nicht
unendlich schnell, sondern benötigt Zeit, um sich auszubreiten. Die
Lichtgeschwindigkeit beträgt im Vakuum rund eine Milliarde Kilometer pro
Stunde. Innerhalb einer Sekunde legt ein Lichtstrahl rund 300 000
Kilometer zurück. Wenn wir also morgens im Bad unser Spiegelbild
bewundern, war das Licht vom Objekt unseres Entzückens bis zum Auge
schon wenige Nanosekunden unterwegs.
Demnach sehen wir uns nicht, wie wir gerade sind, sondern wie wir vor
wenigen Nanosekunden waren. In der Astronomie arten derartige Zeitreisen
aus, denn das Licht muss einen viel längeren Weg vom beobachteten
Gegenstand bis zu uns zurücklegen. Betrachten wir den Mond, so war das
Licht schon rund eine Sekunde von der Mondoberfläche bis zum Auge
unterwegs; bei der Sonne sind es schon rund acht Minuten, und das von
einem typischen Stern in der Milchstraße ausgesandte Licht benötigt
schon einige 100 bis 1000 Jahre. Im Extremfall erreicht uns das Licht
aus einer Zeit, in der es unser Sonnensystem noch nicht gab, nämlich
dann, wenn es von einer Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie stammt.
Was geschieht unterwegs mit diesem Licht, und was können wir daraus
über die Zeit lernen?"
Meine Herrn..! ;)